Diagnostik der Nephrologie

Im Normalfall hat der Patient zunächst den Hausarzt wegen seiner Beschwerden aufgesucht und wird gezielt mit dem Verdacht auf eine Nierenerkrankung bzw. Mitbeteiligung der Nieren im Rahmen einer anderen Erkrankung vorgestellt. In den meisten Fällen ist bereits eine Blutentnahme und Urinuntersuchung per Teststreifen erfolgt.

Die wichtigsten diagnostischen Methoden bestehen für den Nephrologen in der Begutachtung von speziellen Blutanalysewerten und der genaueren Auswertung des Urins.

Meistens reicht eine Untersuchung des Spontanurins im Rahmen der Sprechstunde aus. Am besten geeignet ist der Mittelstrahlurin. Dazu wird der Urin der ersten 2-3 Sekunden verworfen („Leitung gespült“) und erst danach eine Probe im Behälter aufgefangen.

Es kann jedoch auch nötig sein, Mengenbestimmungen von Urinbestandteilen und eine exakte Bestimmungen der Nierenfunktion durchzuführen. Dann ist eine Untersuchung des 24-Stunden- Sammelurins erforderlich.

Dazu beginnt die Sammelperiode am Start-Tag um 7 Uhr früh. Die Blase wird zu diesem Zeitpunkt in die Toilette entleert. Ab jetzt muss jeglicher Urin in dem bereitgestellten Sammelgefäß aufgefangen werden. Es dürfen keine Sammelverluste entstehen. Beendet wird die Sammelperiode am Folgetag um 7Uhr früh. Der Urin, der sich noch in der Blase befindet, wird abschließend in den Sammelbehälter gegeben.

Routinemäßig wird eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und der Bauchorgane durchgeführt. Diese Untersuchung liefert jederzeit reproduzierbare Informationen und ist daher sehr wichtig in der Betreuung nierenkranker Patienten.

Ein großes Thema in der Nephrologie ist die Blutdruckdokumentation. Besser als einzelne Messungen in der Praxis ist die Erstellung eines 24-Stunden Blutdruckprofils mittels automatischer Messung. Alternativ können vom geschulten Patienten auch häusliche Protokolle der Ruheblutdruckwerte erstellt werden.

In speziellen Fragestellungen werden auch Techniken der Schnittbildgebung wie z.B. CT- oder MRT-Untersuchungen benötigt. Hier ist die Bestimmung Nierenfunktionseinschränkung im Vorfeld wichtig, um ggf. Risiken des Kontrastmitteleinsatzes beurteilen zu können.

Es besteht auch die Möglichkeit einer seitengetrennten Bestimmung der Nierenfunktion. Hierzu wird ein radioaktives Kontrastmittel gespritzt und der Ausscheidungsverlauf für beide Nieren einzeln aufgezeichnet. Diese Untersuchung wird nur selten und nur in sehr speziellen Situationen benötigt.

Am Ende der nephrologischen Diagnostik kann es nötig werden, eine feingewebliche Untersuchung von Nierengewebe durchzuführen. Dazu muss unter lokaler Betäubung und sonographischer Steuerung eine Nierenbiopsie mit einer speziellen Punktionsnadel durchgeführt werden. In aller Regel wird dies im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes erfolgen.

 

Einstufung der Nierenfunktionsstörung (Niereninsuffizienz)

Nach Berücksichtigung aller erhobenen Befunde wird die Ursache der Krankheit bestimmt und die Nierenfunktion je nach Schweregrad der Störung und Menge an Albumin im Urin in ein Klassifikationssystem eingestuft. Damit werden Vergleichsuntersuchungen möglich und die Beurteilung des voraussichtlichen Verlaufs der Nierenfunktionsentwicklung erleichtert.

Die Nierenfunktion wird als geschätzte (engl. „estimated“) glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) oder im Sammelurin gemessene Kreatininclearance in ml/min angegeben und durch die Angabe der Albuminmenge im Urin ergänzt.

Als Faustregel hat ein junger gesunder Erwachsener eine Nierenfunktion von 100 ml/min (=100%). Nachdem die Niere normalerweise im Laufe des Lebens auch altert, gilt ab dem Rentenalter (65.Lj) eine Nierenfunktion von mehr als 60 ml/min (=60%) noch als altersentsprechend normal. Albumin im Urin ist dagegen in jedem Alter als krankhaft zu betrachten.

KDIGO-Klassifikationssystem

Stadium G1  eGFR > 90 ml/min
Stadium G2  eGFR > 60 ml/min <90 ml/min
Stadium G3a eGFR > 49 ml/min < 60 ml/min
Stadium G3b eGFR >30 ml/min < 49 ml/min
Stadium G4  eGFR > 15 ml/min< 30 ml/min
Stadium G5  eGFR < 15 ml/min

Stadium A1   < 30 mg/24h Albumin im Urin
Stadium A2   30-300 mg/24h Albumin im Urin
Stadium A3   >300 mg/24h Albumin im Urin