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Erkrankungen der Nieren

So kompliziert die Nierenstruktur, so vielfältig ist das Spektrum der Nierenerkrankungen. Jedes "Einzelteil" des Organs (Gefäße, Zwischenräume, Harnsammelwege, Glomerula etc) kann vor der Erkrankung betroffen werden. Sollte es einmal vorkommen, stimmt die Funktion des Gesamtorgans nicht mehr. Wie kann man das feststellen?

Nephrologie

Das Wort Nephrologie leitet sich von der altgriechischen Bezeichnung der Niere - nephros - ab. Im Lateinischen heißt die Niere "ren", daher heißt die Wanderniere in der Fachsprache "Ren mobilis" und zur Niere gehörende bzw. durch die Nieren bedingte Phänomene und Krankheiten werden als "renal" bezeichnet. Der Nephrologe ist also ein Facharzt für Nierenerkrankungen (bitte nicht verwechseln mit dem Urologen - ein Facharzt für Harnwegserkrankungen . Natürlich gibt es große Überschneidungen in den zwei Fachgebieten, deswegen arbeiten die Ärzte in enger Kooperation.)

Chronische Niereninsuffizienz

Zusammenfassung

Die Hauptfunktionen der paarig angelegten Nieren ist die Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen sowie die Regulation des Säure-Basen- und des Flüssigkeits-Haushaltes. Verschiedene Ursachen können zu zunehmender Funktionsbeeinträchtigung der Nieren führen. Zu diesen gehören v.a. langjähriger Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, übermäßige Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln und entzündliche Nierenerkrankungen. Im Endstadium ist die Nierenfunktion vollständig erloschen, unbehandelt führt dieser Zustand zum Tod. Lebensrettend ist dann lediglich die Dialyse (künstliche Blutwäsche) oder die Nierentransplantation. Man unterscheidet die extrakorporale Dialyse, bei der das Blut durch das Blutwäschegerät geleitet wird - in der Regel dreimal wöchentlich für vier bis acht Stunden -, die Hämofiltration und die Peritonealdialyse, die über das Bauchfell kontinuierlich mit einem Katheter erfolgt, wodurch der Patient mobiler bleibt. Die beste Lebensqualität lässt sich jedoch durch eine Nierentransplantation erzielen. Die Zehnjahresüberlebensrate liegt in diesem Stadium bei etwa 55%.

Definition und Ursachen

Unter Niereninsuffizenz oder Nierenversagen versteht man eine nicht ausreichende oder völlig ausgefallene Nierenfunktion. Im Gegensatz zum akuten Nierenversagen wird an dieser Stelle die in vier Stadien verlaufende chronische Form der Niereninsuffizienz ausführlich beschrieben. Es handelt sich dabei um einen meist langsam fortschreitenden Untergang von funktionsfähigem Nierengewebe, der in der Folge zu einer Abnahme des Glomerulumfiltrates, also des Primärharns, führt und in der Regel als Folgeschaden verschiedener zugrunde liegender chronischer Krankheiten auftritt. Bei einem vollständigen Funktionsausfall der Nierenglomeruli spricht man von terminalem Nierenversagen. Dabei kommt es zur Urämie, d.h. zu einer Ansammlung von nicht ausgeschiedenen harnpflichtigen Substanzen im Blut, die ohne Maßnahmen innerhalb relativ kurzer Zeit zum Tod führt. Eine Niereninsuffizienz tritt in Deutschland jährlich bei etwa vierzig bis sechzig Patienten pro 100.000 Einwohner neu auf.
Eine Niereninsuffizienz kann sehr viele Ursachen haben. Es sind dies vor allem:

  • Diabetische Nephropathie (über 20%)
    Eine Nierenschädigung durch Diabetes mellitus
  • Chronische Glomerulonephreitis (ca. 20%)
    chronische Form der Entzündung der Glomeruli
  • Interstitielle Nephritis und chronische Pyelonephritis (ca. 15%)
    chronische Nieren- und Nierenbeckenentzündung
  • Hypertone vaskuläre Nephropathie (ca. 10%)
    Nierenschädigung durch Bluthochdruck
  • Polyzystische Nephropathie (ca. 10%)
    angeborene Nierenfehlbildung mit zahlreichen Zysten, die in der Regel ab dem 40. Lebensjahr zu Niereninsuffizienz führt, näheres siehe hier.
  • Analgetikanephropathie (ca. 5%)
    Schädigung durch bestimmte Schmerzmittel
  • Systemerkrankungen (ca. 5%)
    z.B. Vaskulitiden oder SLE (SLE = Systemischer Lupus Erythematodes: eine Bindegewebserkrankung, die auch die Nieren betrifft; Vaskulitiden = Erkrankung der Nierenblutgefäße)
  • nicht klassifizierte Ursachen (ca. 15%)

Stadieneinteilung

Die Niereninsuffizienz wird in vier Stadien eingeteilt:

  1. Kompensiertes Dauerstadium:
    leichte Einschränkung von Ausscheidung und Konzentrierungsfähigkeit, bei noch normalen Blutwerten der harnpflichtigen Substanzen
  2. Stadium der kompensierten Retention:
    Kreatininerhöhung im Blut bis 6 mg/dl (Normwert: bis 1,1 mg/dl), ohne klinische Symptome
  3. Präterminale Niereninsuffizienz:
    kreatininwerte von über 6 mg/dl. Bei über 8 mg/dl treten klinische Symptome auf
  4. Terminale Niereninsuffizienz (Urämie):
    trotz konservativer Behandlung treten Kreatininwerte über 10 mg/dl auf, begleitet von klinischen Beschwerden. Eine Behandlung mit Hilfe der Dialyse oder einer Nierentransplantation ist in diesem Stadium notwendig

Symptome

Im fortgeschrittenen Stadium der Niereninsuffizienz kommt es zu Bluthochdruck und aufgrund der mangelnden Flüssigkeitsausscheidung zu Zeichen der Überwässerung. Dazu gehören das Lungenödem, Pleura- bzw. Herzbeutelergüsse sowie die Neigung zu peripheren Ödemen, d.h. Wassereinlagerungen im Gewebe. Häufig sind auch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Als Folge verminderter Hormonfreisetzung kommt es zu Blutbildveränderungen wie der renalen Anämie (= Blutarmut) und Knochenveränderungen. Weitere typische Symptome sind Juckreiz, Wadenkrämpfe und der Geruch der Betroffenen nach Urin, der sog. Foetor uraemicus. Es kommt auch zu neurologischen Symptomen wie Sensibilitätsstörungen, Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit bis hin zur Bewußtlosigkeit und zum urämischen Koma.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch eine Reihe von Untersuchungen. Dazu gehören die Bestimmung der Nierenwerte bzw. der Nierenfunktionsparameter aus dem Blut (das sind von der Niere auszuscheidende Stoffwechselprodukte wie z.B. Kreatinin und Harnstoff) sowie die Analyse des Urins. Aus den gewonnenen Werten lässt sich die sog. Nierenclearence berechnen, die zu einer genauen Aussage über die Funktionseinschränkung der Niere führt. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (= CT) und Röntgenkontrastmitteluntersuchung werden sowohl zur Diagnosestellung als auch zu Verlaufskontrollen durchgeführt.

Prophylaxe

Ein Nierenversagen lässt sich auf folgende Weise vermeiden bzw. zumindest hinauszögern:

  • frühe Behandlung von Blasen- und Nierenentzündungen
  • Vermeidung oder Begrenzung nierenschädigender Medikamente wie bestimmte Schmerz- und Schlafmittel
  • Blutdruck kontrollieren und ggf. zu hohen Blutdruck rechtzeitig behandeln
  • Blutzucker kontrollieren und frühzeitige Behandlung einer Zuckerkrankheit (Diabetis) veranlassen